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Kinder- und Jugendmedienschutz: Neue Risiken, neue Instrumente, neue Heilmittel?

Kinder- und Jugendmedienschutz: Neue Risiken, neue Instrumente, neue Heilmittel?


Gestützt auf die UN-Kinderrechtskonvention bezeichnen Jugendschutzorganisationen die Förderung der Widerstandsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen als Allheilmittel gegen Risiken und Gefährdungen im Internet

Am Vormittag des zweiten des IGF-Tags waren zwei Sessions dem Kinder- und Jugendmedienschutz im Internet gewidmet.

Mit Jacqueline Beauchere (Microsoft ), John Carr (eNACSO), Larry Magid (connectsafely.org), Richard Allan (facebook) und einer Vertreterin der GSMA diskutierte ein hochrangig besetztes Panel unter dem Vorsitz von Anjan Bose (ECPAT International) im Workshop 125 wie der innovative Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien dazu beitragen kann, den Kinder- und Jugendmedienschutz im Internet zu vereinfachen.

John Carr betonte, dass viele Eltern mit der Internettechnologien und der Medienerziehung ihrer Kinder überfordert seien und Unterstützung benötigen. Dies erinnert an die Ergebnisse des Youth Protection Roundtable, die im YPRT Toolkit dokumentiert sind. Am Youth Protection Roundtable diskutierten technische Experten und Service Anbieter mit Kinderrechtsvertretern über technische Unterstützung, die direkt in die Internetdienste integriert werden kann. Richard Allan bezeichnet dies als "micro education - Mikroerziehung" und meint damit einfache technische Instrumente, wie zum Beispiel Pop-up-Fenster mit Warnungen, online angebotene Erläuterungen oder notfalls auch eine 24-Stunden Sperre für Nutzerinnen und Nutzer, die sich nicht entsprechend der Vorgaben des Service-Anbieters verhalten. Diese eingebaute technische Unterstützung kann zur Medienerziehung von Kindern und Jugendlichen beitragen und auch das Gespräch zwischen Eltern und Kindern, über deren Onlineaktivitäten befördern.

Der zweite Workshop befasste sich mit der Frage, ob die UN-Kinderrechtskonvention den Anforderungen des Informationszeitalters noch gerecht wird.

Das Panel im Workshop 125
Das Panel im Workshop 125

 

Die Debatte wurde sehr kontrovers geführt, zum Beispiel im Bezug auf die US-amerikanische Gesetzgebung COPPA, die regelt, dass Jugendliche unter 13 Jahren Soziale Netzwerke wie facebook nicht nutz dürfen. Anlass der Kontroverse war das Statement der dreizehnjährigen Olivia aus Dänemark, die am Vortag übermäßige Schutzmaßnahmen ablehnte und forderte, selbst entscheiden zu können, welchen Risiken sie sich aussetze und welche Chancen sie nutze. An diesem Punkt wurde auch kritisiert, dass keine Jugendlichen auf dem Panel vertreten waren.

Das Panel und das Publikum waren sich einig, dass Kinder und Jugendliche, die über genügend Widerstandsfähigkeit verfügen, keine Extraportion Jugendschutz benötigen. Soziale Arbeit könne eine wesentliche Rolle dabei spielen, die Resilienz junger Menschen zu stärken, allerdings benötigten die Sozialarbeiter dafür entsprechende Qualifizierung. Die Forderung, das Wohl des Kindes zitiert nach § 18 UNCRC zur Grundlage erzieherischen Handelns von Eltern ebenso wie anderen Personen mit Erziehungsverantwortung zu machen, war das Fazit des Workshops.

Mehr Informationen unter www.intgovforum.org/

 

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Marco Kühn am 08.11.2012 um 18:20
Servus miteinander,

ein wirklich ausführlicher Beitrag welcher eine menge an guten und wertvollen Informationen besitzt.

Vor allem das Verbot für unter 13-jährige die sozialen Netzwerke wie etwa Facebook zu nutzen ist gerade in bezug auf die Zukunft sicherleich gar nicht soweit hergeholt.

Erst letztens las ich auf http://www.schutzlos-ausgeliefert.de einen Beitrag über das Ansteigen von Cybermobbing in sozialen Netzwerken. Gerade für unter 13-jährige ist dies für die "normale" seelische" sowie psychische Entwicklung ganz sicher nicht förderlich!

Viele Grüße,
Marco

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"sicher online gehen" ist eine Initiative von Bund, Ländern und Wirtschaft für einen besseren Schutz von Kindern im Internet. Vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend initiiert, werden hier Internet Empfehlungen erarbeitet für eine zeitgemäße Kinder- und Jugendnetzpolitik, die Kinder, Jugendliche, Eltern, Pädagogen sowie Akteure der digitalen Welt dabei unterstützt, den Herausforderungen einer sich schnell entwickelnden digitalen Medienlandschaft gerecht zu werden.

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